Was ist Tanzen?

Zuerst dachte ich Tanzen bedeutet sich zur Musik zu bewegen. Dann lernte ich Stile kennen, wie beispielsweise Butoh (japanischer Ausdruckstanz), wo oft ohne Musik gearbeitet wird und Bewegungen so minimalistisch werden, dass äußerlich oft kaum noch Bewegung sichtbar ist.

Der eine Tänzer kann nur Choreografien, der andere nur improvisieren. Manche gehen technisch, fast schon wissenschaftlich an die Sache, während die andere sich in Trance tanzen. Im Grunde ist schon das Gedrängel im Supermarkt eine Gruppenimprovisation. Ich bin zum Schluss gekommen: Tanz ist all das, was sich der Tanzende darunter vorstellt und das ist bei jedem anders.

Tanz braucht keine Musik und keine Bewegung

Ich war nie daran interessiert einen bestimmten Stil oder einen bestimmten Schritt zu lernen. Stattdessen habe ich immer nach der Essenz und dem zugrunde liegenden Prinzip eines Stils geforscht. Ich wollte den Tanz von Grund auf verstehen. Zuerst dachte ich tanzen beutete sich zur Musik zu bewegen. Das tut es zwar auch. Aber hier beginnt schon der Urwald. Es gibt Tänze wie beispielsweise in urbanen Stilen wie Breakdance Hip-Hop, da wird On-Beat betanzt. Der Tänzer ist quasi eine Visualisierung der Musik. Doch im Zeitgenössichen Tanz ist Musik eher Hintergrund. Wenn man Beispielsweise zur Contact Improvisation geht, dann geht es darum vor allem mit dem Tanzpartner einen Bewegungs-Flow zu kreieren. Musik läuft hier oft nur als atmosphärische Begleitung. In Stilen wie Butoh (japanischer Ausdruckstanz), da wird oft auch in der Stille „getanzt“. Dabei geht es oft auch im die inneren Prozesse, also dem was im Kopf des Butoh-Tänzers passiert, was dazu führen kann, das der Tänzer sich kaum bewegt.

Der Unterschied zwischen Choreografien und Freestyle

Ich finde auch es ist ein riesen Unterschied, zwischen Tänzern die Freistil, frei improvisieren und jenen die Choregrafien machen. Ich habe oft erlebt, das professionelle, choreografisch arbeitende Tänzer nicht ohne weiteres improvisieren können. Genauso umgekehrt, fällt es Freestylern oft schwer sich Choreografien zu merken. Choreografien kommen mehr aus dem Kopf. Freestyle ist mehr Intuition.

Ist Tanz überhaupt etwas das man aktiv tut?

Ich kann natürlich aktiv Tanzen. Ich kann willentlich meine Körperteile und (wie im Butoh) meine seelische Innenwelt in Bewegung setzen. Doch im Grunde ist das Menschengedrängel auf dem Flohmarkt auch eine große Gruppenimprovisation. Was ist mit einem Betrunken der auf der Straße umher torkelt? (Herumtorkeln, balance Verlieren, Kontrolle verlieren und sich wieder fangen ist eine meiner wichtigsten Übungen in meinen Workshops.) Das sind für mich auch Tänze, aber sie sind nicht willentlich gemacht, sie geschehen aber tortzdem.

Tanz ist etwas, das mit dir geschieht

Wenn ein Blatt vom Baum fällt und auf dem Weg zum Boden durch die Luft wirbelt tanzt das Blatt? Ist das Leben einer berufstätigen, allein erziehenden Mutter mit zwei Kindern nicht auch ein Seiltanz oder ist das eher Jonglage? Ist das zerfließen eines Stück Butters nicht auch ein Tanz? Zumindest ist auch das eine Übung in meinen Workshops. Alles ist mehr oder weniger Ansichtssache. Der eine sagt: „Tanz muss A sein.“. Die andere sagt:“Tanz muss B sein.“ Beide haben recht.

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