Was die Aufmerksamkeit des Publikums hält

In dieser Performance wollte ich testen: Wie wenig kann ich Live machen ohne das ich die Aufmerksamkeit des Publikums verliere. Die Antwort ist: Fast nichts. So lange ich selbst präsent dabei bin ist es das Publikum auch.

Was die Aufmerksamkeit des Publikums fesselt

Im Bereich Physical Theatre, also die darstellenden Künste die ohne Worte über Körpersprache kommunizieren, finde ich gibt es zwei Gruppen von Performer, die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zum einen gibt es die Artisten mit herausragenden körperlichen Leistungen. Manche der Artisten haben ihre Kunst auf ein Niveau gehoben, dass ich fast meine möchte es sind Menschen nicht von dieser Welt. Man ist einfach sprachlos überwältigt.

Aber es gibt auch jede Performer, bei denen spürt man ganz deutlich die Spannung im Saal, allein das sie bloß die Bühne betreten. Die müssen gar nichts machen. Teilweise stehen sie „nur“ da und blicken ins Publikum und der Raum steht unter Spannung. Das ist ein völlig andere Qualität von Energie, die von diesen Performer ausgeht. Da wird plötzlich das Weiß in deren Augen zum Fester in eine andere Welt.

Die Magie der Pantomimen

Einer der das sehr beherrscht ist mein Freund Elias Elastisch. Ich fragte ihn: Was ist das für ein Energie? Wie erzeugt ihr diese Spannung? Er nahm mich mit zu seinen Auftritten und zeigte mir wie sich Pantomimen bewegen und worauf sie Acht geben. Ein paar Mal war ich selbst als Pantomime mit Pantomimen auf der Bühne. Ich lernte das Geheimnis kennen.

Das Lauschen in die Stille

Die Spannung im Raum ist eine Wechselwirkung zwischen Publikum und Performer. Dabei dirigiert der Performer die Energie im Saal. Seine Aufmerksamkeit lenkt die Aufmerksamkeit des Saals. Und hier beginnt der Trick: Je bewusster der Performer seine eigenen Handlungen wahrnimmt, umso bewusster nimmt sie auch das Publikum war. Der Performer kann sich nun darauf trainieren kleine Bewegungen mit äußerster Wachsamkeit wahrzunehmen. Er kann dabei die Bewegungen immer kleiner werden lassen. So klein, dass es zu solchen Spannungsmomenten kommt, wo die Luft im Raum knistert, obwohl der Performer auf der Bühne scheinbar nichts macht.

Magie liegt im Bereich wo Gegensätzte aufeinander treffen

Mein Freund und Schauspieler Erdal Yildiz erklärt es mir so: „Es ist der kurze Moment der Stille wo die brennende Zündschnur im Böller verschwindet, kurz bevor es knallt.“ Der Stille Moment kurz vor dem großen Knall, das ist der kleine Grenzbereich der Magie. Beim Tanzen ist es also der Moment der Achtsamen Nichts-Tuns kurz bevor ein Bewegung ausgeführt wird.

In dem Video oben habe ich damit etwas herum Experimentiert. Es funktioniert, das Publikum hättet ihr sehen müssen. Die haben sogar am Ende der Performance auf mein Atmen gelauscht. Meiner Meinung nach ist das ein großer Erfolg: Wenn das Publikum mit dir Atmet.

 

Video Music: www.sebastienguerive.com aka: „Da Sweep – Ice Tears“

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