Der Preis der Liebe

Die halbseitige Sicht auf die Liebe

Wir glauben Liebe ist etwas schönes: Wenn Menschen sich lieben, dann geben sie sich einander ein gutes Gefühl. Die Liebe basiert auf gegenseitiger Wertschätzung und Aufmerksamkeit. Das stimmt aber nur halb. Liebe wird auch schrecklich schmerzen.

Andere Lieben bedeutet sich selbst anzunehmen

Liebe ist vor die Fähigkeit sich selbst so anzunehmen, wie man ist, nachdem man sich selbst im Anderen wiedererkannt hat. Das bedeutet zum Beispiel: Man mag einen bestimmten Charakterzug am anderen nicht, um dann irgendwann festzustellen, dass man selbst den gleichen Charakterzug hat, nur in eine anderen Ausprägung.

Liebe ist auch der Pfad in die Hölle

Da wo Selbstkenntnis fehlt, führt Liebe in die Hölle und wenn dann die Bereitschaft zur Demut fehlt, endet die Liebe da auch. Liebe reinigt von Unaufmerksamkeit, Unkenntnis und Täuschung. Diese Reinigung ist schmerzhaft sein, weshalb die Liebe auch von vielen Gefürchtet wird.

In Indien steht für diesen Prozess das Symbol der Göttin Kali.

Liebe ist nicht Dual

Liebe ist: sowohl-als-auch. Liebe ist Freude und Schmerz. Liebe ist Leben und Tod. Liebe ist kreativ und zerstörerisch. Jeder Mensch trägt das volle Spektrum menschlicher Eigenschaften (Wut, Trauer, Freude, Angst, Hass, Vertrauen, Ignoranz, Zuversicht, etc.) in sich. Die Entscheidend ist nur, welche Qualitäten lebt ein Mensch aus. Vieles ist Situationsabhängig. Aus reiner Furcht können die liebevollsten Menschen zu den grauenhaftesten Handlungen fähig sein. Das an sich selbst zu erkennen und anzunehmen, das ist Liebe.

Zuerst sich selbst annehmen, dann den anderen

Wer sich selbst nur halb annimmt, also Teile von sich unterdrückt, wer Sehnsüchte in sich trägt und ihnen nicht folgt, der liebt sich nur zu einem Teil. Das Maß an Liebe, welches ein Mensch sich selbst gegenüber zulässt, bestimmt das Maß mit der jener Mensch alles andere Lieben kann. Wir können andere Menschen nur soweit lieben, wir wir uns selbst lieben können. Fehlende Selbsterkenntnis äußert sich als Ablehnung von sich selbst und von anderen. Wenn man seinen Weg alleine geht, kann man Wege finden, um seine Stärken zu leben und sich nicht mit seinen Schwächen konfrontieren zu müssen. Ausweichen ist in einer Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen nicht möglich.

Unrealistische Vorstellungen vom Mensch sein

Dummheit, Faulheit, Zorn, Ignoranz, etc., bezeichnen wir als „schlechte“ menschliche Eigenschaften. Wir wollen es nicht wahr haben, dass wir sie in uns tragen und schon gar nicht, dass wir sie an den Stellen wo wir nicht hinschauen möchten voll ausleben. Wir glauben an das Bild des „guten Menschen“. Ein Mensch der nicht Lügt, der freundlich und widerspruchsfrei ist, und seine Pflichten zuverlässig erfüllt. Das versuchen wir zu sein. Leider entspricht dieses Menschen-Bild nicht unserer Natur, es ist nicht „wahr“. Immer dann, wenn wir versagen diesem unmenschlichen Ideal zu entsprechen, schämen wir uns und hassen uns selbst dafür.

Selbsterkenntnis kostet Energie

Wir können es oft beobachten, wie andere Menschen sich selbst für die schlausten halten und von oben auf andere herab schauen, während sie selbst nicht selbst sehen können, wie dumm sie sich verhalten. Doch wenn es um uns selbst geht, dann scheuen wir uns davor zu erkennen, das wir genauso sind.

Wenn wir die Erkenntnis unserer eigenen Schlechtigkeit verweigern zahlen wir einen hohen Preis, denn damit verweigern wir uns gleichzeitig der Erkenntnis unserer eigenen Großartigkeit, und damit werden wir nie erfahren was echte Selbstwertschätzung ist. Diese fehlende echt Selbstwertschätzung muss dann mit Narzissmus nachgeahmt werden.

Liebe ist Selbsterkenntnis und die ist ein schmerzhafter Prozess, weil dafür immer wieder unser unvollständiges, unnatürliches Selbst- und Weltbild zusammen bricht und neu errichtet werden muss. Das kostet Energie.

Ignoranz ist Betäubung

Oft fehlen die Kapazitäten, um den schweren Prozess der Selbsterkenntnis durchzustehen. Dann werden kurzfristig die Symptome fehlender Selbsterkenntnis mit Ignoranz behandelt. Es gibt Situationen, da ist Ignoranz das einzige zur Verfügung stehende Mittel, um oberflächlich Ruhe zu bewahren. Ignoranz ist das absichtliche nicht zur Kenntnis nehmen von etwas oder jemandem. Es macht auf Dauer krank.

In einer Paarbeziehung kommt es auf die Bereitschaft zur Selbsterkenntnis beider Seiten an. Wenn sich auch eine der beiden Parteien dazu entscheidet, sich zu einem bestimmten Thema gegenüber ignorant zu verhalten, dann ist ein gemeinsames Fortkommen an diesem Punkt nicht möglich und paar ist gespalten.

Der gleiche Prozess findet auch innerhalb einer Person statt. Will man etwas nicht an sich wahr haben und ignoriert es, dann spaltet man sich sich innerlich.

Ignoranz macht süchtig

Ignoranz ist ein Betäubungsmittel und besteht die Gefahr des Missbrauchs. Wenn man es einmal zulässt, ist es wahrscheinlich es weitere Male zuzulassen. Ohne das man es bemerkt, akkumuliert sich alles was ignoriert wird, bis man irgendwann im Grunde gar keinen echten Kontakt mehr zu dem anderen Menschen oder zu sich selbst hat.

Der Berg an all dem, was man nicht annehmen und erkennen möchte, kann so groß werden, dass andere, stärkere „Betäubungsmittel“ angewendet werden müssen, um den Riss in der Beziehung ertragen zu können.

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