Gedankennotiz: Kein Stress mehr

Mein Schatz, nun hast du endlich deinen Frieden.

Am Ende hat sich das einfach nicht mehr gelohnt für dich. Du bist ausgestiegen, als es schwer wurde und die Schwere kein Ende zu nehmen schien. Lieber in Frieden alleine sein als ständig in der Gefahr, durch den Sturm der Leidenschaft auf offenem Meer zu ertrinken.

Du hast dich beklagt: „Wir sind schon ein Jahr zusammen und immer noch streiten wir um Dinge, über die wir schon zu Beginn gestritten haben.“ So wie das bei uns lief, hattest du dir das nicht vorgestellt. Weniger Streit, Harmonie, liebevoller Umgang – das wolltest du. Das wollte ich auch.

Natürlich gab es immer wieder es Differenzen, doch für mich stand unsere Beziehung an erster Stelle, für dich stand sie nach deinen Kindern und deiner Religion an dritter Stelle. Deshalb hatte ich mehr Kraft und Geduld für Lösung der Probleme zwischen uns zu kämpfen als du. Als ich dich kennen gelernt habe, war dein ganzes Leben auf einer Lüge aufgebaut, die du ignoriert hast. Du warst Ignoranz gewohnt und hättest viele Probleme der Bequemlichkeit halber am liebsten einfach wegignoriert.

Im Streit hast du um dich geschlagen und bist davon gelaufen. Als der Sturm vorbei war, hast du dich bei mir bedankt, dass ich hartnäckig geblieben bin und uns nicht aufgegeben habe. Wir waren jedes Mal stärker miteinander verbunden als vor dem Streit. Doch trotzdem ziehst du jedes Mal aufs neue die Reißleine. Ich weiß, in dir gibt es etwas, dass insgeheim wieder darauf hofft, dass ich wieder komme. Jetzt wärst du Mal dran zu kommen, aber du machst nichts.

Deine Religion und deine Kinder standen an erster Stelle. Irgendwo am Ende der Prioritätenliste stand ich. Eins deiner Kinder hat mir täglich gezeigt, dass es nicht mich, sondern seinen Vater, am Esstisch haben will. Ich nehme diesen erbärmlichen Platz als fünftes Rad am Wagen in deinem Leben nicht an.

Ich habe täglich auf dich gewartet, dass du endlich damit fertig bist, dich um deine Kinder zu kümmern. Am Ende des Tages hattest du keine Energie mehr für uns. Die Tatsache, dass ich zusehe wie die Energie „meiner Frau“ für Kinder draufgeht, die nicht meine sind, hat in mir etwas instinkthaftes zu mir sprechen lassen: „Ich gehöre hier nicht hin.“

Natürlich hättest du etwas machen können. Ein erster Schritt wäre gewesen zu realisieren, dass da jemand neben dir liegt. Dein Starrsinn und deine Ignoranz waren nicht nötig; auch nicht um das Überleben deiner Kinder zu sichern. Das war einfach nur geistige Trägheit und die Angst davor Mensch zu sein.

Statt immer nur von dem zu sprechen, was du glaubst, hättest du einfach mal still sein und zuhören sollen. Aber deine geheime Agenda sah keinen Austausch vor. Wir hatten nie eine Konversation, es gab nur Unterricht von dir.

Du hattest kein Interesse unser Leben aufzubauen. Du wolltest dein Leben aufbauen. Das war eine Rechnung ohne mich. Du hast dich nicht für meine Welt, meine Leidenschaften, meine Freunde oder meine Familie interessiert. Nichts wolltest du von mir wissen, außer wann ich nach Hause komme.

Nur meinen Körper wolltest du besitzen. Du hast dir einen Teddybär zum Kuscheln gewünscht, mit dem du am Feierabend im Bett liegen kannst. Ich war schön anzuschauen, sagtest du und es gefiel dir, dass ich samtweiche Haut hatte und wunderbar für dich duftete. Du mochtest meine Küsse und dass ich deine Gedanken verstand. Du hast es geliebt in meinen Armen zu liegen.

Jetzt ist Weihnachten und deine gesamte Verwandtschaft und alle deine Freunde werden jetzt fragen, wo ich bin. Ich hoffe du stehst zu deiner Entscheidung und sprichst aus was Sache ist: Wir sind nicht mehr. In meinem Leben vermisst dich allerdings keiner. Du hast dich ja schließlich nie in meiner Welt blicken lassen.

Und jetzt sitzt du allein mit deinen Kindern in deinem Haus im hinterletzten Kaff in der polnischen Pampa und hast Ansprüche an deine Mitmenschen, wie sie vielleicht höchstens der Dalai Lama erfüllen könnte. Ich kann mir schwer vorstellen, dass nochmal einer in dein Leben kommen wird. Aber du hast ja immer Kund getan, dass du besseres zu tun hast, als dich mit mir zu Streiten. Zeit und Raum hast du jetzt wieder genug.

Ich bin wütend auf mich selbst, darüber, dass ich dich nicht bedingungslos lieben konnte. Für meine Liebe wollte ich von dir zurückgeliebt werden. Das hat immer zerstört, was vorher mühevoll aufgebaut war. Denn teilte ich dich in zehn Teile, dann haben drei davon mich geliebt. Die anderen sieben fanden du wärst besser dran ohne mich.

Deine geheime Agenda wurde im Streit jedes Mal erkennbar. Wenn alles gut lief, sprachst du von „unserem gemeinsamen Zuhause“. Wenn es Ärger gab, hast du dir das Recht herausgenommen mich aus dem Haus schicken mit der Begründung es sei „dein Zuhause“, weil du das Haus gekauft hast. Wenn ich dich auf diese Willkürlichkeit angesprochen habe, bist du mir geschickt ausgewichen.

Willkür und Widersprüche ziehen sich durch wie ein roter Faden. Ich konnte jedes Mal in deinen Augen sehen, wie du Kraft deiner Ignoranz wieder eine wild gewordene Leiche aus deinem Keller zurückdrängen musstest. Dafür werden wir nicht voreinander, aber vor unserem Herzen vors Gericht gehen. Und zwar Abends, wenn wir alleine im Bett liegen und es ganz still ist. Dann wird sich unser Gewissen melden und wir werden wissen, ob wir ehrlich waren oder gelogen haben.

Ich habe gelogen. Ich war geblendet von meinen Visionen von dem, was wir beide zusammen sein und machen könnten. Du hattest was ich nicht hatte. Ich hatte was du nicht hattest. Wir wollten voneinander Profitieren und Liebe. Wir sind beide einer Fata Morgana hinterhergelaufen, denn etwas bedingungsloses hat in etwas bedingtem keinen Platz.

Ich wollte mit dir die Welt erforschen, aber auch ich hab meine Rechnung ohne dich gemacht. Ich habe erst spät erkannt, dass du eigentlich nirgendwo hingehen willst und dich für nichts interessierst, was du nicht schon kanntest. Die Welt hat dich nicht interessiert.

Im Grunde wünsche ich mir auch nur, dass es dir gut geht. Was mir am meisten Schmerzen bereitet, ist die Vorstellung, dass du leidest, weil ich dir fehle. Das will ich nicht. Ich selbst bin schon längst wieder auf den Beinen und bin froh drum, dass es vorbei ist.

Ich habe noch nie so sehr meinen Spiegel vorgehalten bekommen, wie in dieser Zeit mit dir. Ich wusste ja gar nicht, wie wenig ich weiß. Ich wusste nicht wie schwach, unbewusst und unachtsam ich an manchen Stellen bin. In deiner Widersprüchlichkeit habe ich meine erkannt.

Der ganze Stress und die vielen Tränen sind nicht umsonst geflossen. Wir waren beide Hochmütig und haben geglaubt zu wissen wie das Leben läuft. Doch die Liebe hat uns in die Knie gezwungen und uns beiden Demut beigebracht. Das haben wir gebraucht.

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